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Lesedauer: 3 Min.

Proust-Marathon – „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in 329 Folgen beim rbbKultur

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist vermutlich der einzige Roman, der es zu Weltruhm gebracht hat, obwohl ihn nur ca. drei Menschen gelesen haben. Einer davon war der Schauspieler und Synchronsprecher Peter Matić, der Prousts 7-bändigen Roman im Auftrag des rbb als Hörbuch eingesprochen hat. Ein Mammutprojekt, dessen Fertigstellung fast 10 Jahre in Anspruch genommen hat – mit einer Rekord-Laufzeit von mehr als 156 Stunden.

Proust-Marathon – „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in 329 Folgen beim rbbkulturProust-Marathon – „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ in 329 Folgen beim rbbkultur

Seit Anfang Januar wird die mehrfach ausgezeichnete Produktion nun in einem 329 Folgen umfassenden Marathon vom rbbKultur ausgestrahlt.

INFOS

Proust-Lesung - "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
StartMontag, 04.01.2021
Laufzeit pro Folgeca. 28 Min.
Folgen329
SprecherPeter Matić,
Radio (rbbKultur)Mo. - Fr. 11:10 Uhr
PodcastARD Audiothek

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Begleitende KulmneDoris Anselm, "Lust und Frust mit Proust"

An Proust scheitern

„Natürlich habe ich nicht den ganzen Proust gelesen.“
Marcel Reich-Ranicki

Als ich mir vor vielen Jahren zum ersten Mal vorgenommen habe, jetzt aber wirklich mal Proust zu lesen; den Mann, den so viele Autoren von Rang in den höchsten Tönen gelobt, wenn nicht gar als Vorbild verehrt hatten, stand ich vor einem Regal in meiner Bibliothek und musste laut lachen: sieben Bände mit dem Titel „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Ein wahrhaft epischer Witz, dachte ich und stellte mir vor, wie die Monty Python Truppe da wohl anerkennend mit den Köpfen genickt hatte. Und der Roman hält, was sein Titel verspricht. Bereits der erste Band führt durch ein minutiös ausgearbeitetes Labyrinth von Eindrücken und Betrachtungen, so ineinander verschlungen und dicht komponiert, dass man schon beim Umblättern nicht mehr weiß, wovon eben die Rede war.

Es ist ein besonderes Stilmerkmal Prousts, sich von den Gegenständen seiner Aufmerksamkeit nur widerwillig lösen zu können, weshalb seine Sätze oft ebenso ausgedehnt geraten wie der Gedankenspaziergang, den sie beschreiben sollen. Um nicht falsch verstanden zu werden, Proust schwafelt nicht, seine Prosa bleibt bei aller Eleganz immer präzise, aber er liebt seine Satzkonstruktionen so sehr, dass es ihm fast unmöglich schien, ja geradezu inhuman, sie dereinst, wenn ihre Zeit unabweisbar gekommen war – in hoffentlich noch ferner Zukunft und auch nur deshalb, weil der arme Gedanke keine weitere Pirouette mehr zu drehen vermochte oder ein schwindender Kerzenschein den Meister zum finalen Satzzeichen zwang – abschließen zu müssen. Das ist oft eindrucksvoll, auf Dauer aber auch ermüdend.

Ich gebe also bereitwillig zu, dass meine Bewunderung für Prousts stilistische Brillanz von meiner Abneigung gegen seine epische Weitläufigkeit, seine ausufernden Selbstbetrachtungen und Szenenbeschreibungen übertroffen wird, weshalb die verlorene Zeit noch immer auf meiner unrühmlichen Liste der nicht zu Ende gelesenen Klassiker steht. Neben anderen hochgelobten Meisterwerken wie „Herr der Ringe“ oder „Zettels Traum“.

Aber ich tröste mich damit, dass weit Größere als ich sich des gleichen Frevels schuldig gemacht haben. Elke Heidenreich hat einmal in der Süddeutschen Zeitung erklärt, trotz mehrerer Anläufe an Proust gescheitert zu sein, und selbst Marcel Reich-Ranicki gab unumwunden zu, dass er natürlich „nicht den ganzen Proust gelesen“ habe, womit er nicht etwa Prousts Œuvre, sondern tatsächlich nur die „verlorene Zeit“ gemeint hat. Ich befinde mich also in bester Gesellschaft und habe zugleich eine ausgesprochen tolle Ausrede für den Fall, dass ich auch diesen Marathon nicht durchhalte.

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